C 710 081 BFür Friedrich Gulda war nun keine halsbrecherische Klangkaskade, keine irrwitzige Steigerung des Tempos und der Dynamik im Zusammenspiel mit dem Orchester „unmenschlich“ genug, als dass er sie nicht gemeinsam mit Böhm und den Wiener Philharmonikern noch in einen sinnfälligen und mitreißenden musikalischen Zusammenhang gebracht hätte. Könnte man erwarten, dass nach einer solchen musikalischen Sternstunde die bekannte 7. Symphonie A-Dur Ludwig van Beethovens nur ein routiniertes Zugeständnis ans Publikum wäre, so sieht – und vor allem hört – man sich bei Böhm und den Wiener Philharmonikern rasch eines Besseren belehrt: Gerade in der dramaturgisch sinnvollen Gegenüberstellung von Strauss’ Burleske und der Hervorhebung der Schroffheiten und gleichsam „bocksfüßigen“ Akzente in Beethovens variationenreicher Siebter mutet das wohlbekannte Stück wie ein abgründiges Satyrspiel an, der wohl populärste zweite Allegretto-Satz suggeriert trotz der traditionell vergleichsweise langsamen Tempowahl Böhms ein spannungsgeladenes Vorantasten am Rande eines Abgrundes. Und auch im Allegro con brio-Schlusssatz führt Karl Böhm und „sein“ Orchester überzeugend vor, wie die tänzerische Ausgelassenheit erkämpft und von Zweifeln durchsetzt zu sein scheint, um dann immer wieder von Neuem angeschoben und schließlich vollends entfesselt werden zu können - eine lohnende Wiederbegegnung mit der „romantischen“ Aufführungstradition von Beethoven hin zu Strauss.